Verbundene Kirchengemeinden Brome-Tülau und Ehra

Ein Lehrstück in Sachen Transparenz:

"Kirchensteuern so hoch wie nie zuvor" - so titelte die Tagespresse Mitte Dezember 2018. So erfreulich diese Entwicklung sein mag, so sehr bringt diese Meldung die Kirchengemeinden vor Ort in Erklärungsnöte, zumal wenn sie bemüht sind, den immer knapper werdenden Mitteln durch eine Bitte um Kirchgeld entgegenzuwirken. Es stimmt: obwohl bundesweit das Kirchensteueraufkommen gewachsen ist, bekommen Kirchenkreise und Kirchengemeinden von Planungszeitraum zu Planungszeitraum weniger Mittel zugewiesen. Es sind eben nicht nur Ortsgemeinden, die Nutznießer der Kirchensteuer sind. Welche Chancen die Landeskirchenleitung im guten Kirchensteueraufkommen sieht, können Sie hier nachlesen. 


Untenstehende Antworten geben Aufschluss zu weiteren Details:

Woher bekommt die Kirche ihr Geld?

Die Kirche lebt finanziell von den Gaben ihrer Mitglieder. Genauer: Die Arbeit der Kirche wird vor allem durch die Kirchensteuer der Kirchenmitglieder finanziert. Jedes berufstätige Kirchenmitglied zahlt 9 % der Einkommensteuer als Kirchensteuer; höchstens jedoch 3,5 % des zu versteuernden Einkommens. Da die gezahlte Kirchensteuer im Folgejahr bei der Einkommensteuererklärung als Sonderausgabe abgesetzt werden kann, zahlt das Kirchenmitglied regelmäßig maximal bis zu 2 % des Einkommens. Die Kirchensteuer-Beträge werden vom Arbeitgeber zusammen mit der staatlichen Steuer an die Finanzverwaltung abgeführt. Diese überweist die erhaltene Kirchensteuer monatlich an die Landeskirche. Für den Einzug der Kirchensteuer durch die Finanzverwaltung zahlt die Landeskirche eine Verwaltungspauschale von rund 20 Mio. Euro jährlich. Ein eigenes Einzugssystem wäre deutlich teurer. 

2013 umfasst der landeskirchliche Haushalt Erträge von 511,17 Mio. Euro. Davon sind rund 17,79 Mio. Euro Erträge aus kirchlicher/diakonischer Tätigkeit, 469,66 Mio. Euro Erträge aus Kirchensteuern, 22,33 Mio. Euro Zuschüsse von Dritten und 1,39 Mio. Euro sonstige ordentliche Erträge (etwa Erstattungen für Personalaufwendungen von Dritten, Mieteinnahmen).  

Wofür verwendet die Kirche ihr Geld?

Die Landeskirche gibt im Haushaltsjahr 2013 von 100 Euro Kirchensteuer für Pfarrbesoldung 32 Euro, Zuweisung an Kirchengemeinden und Kirchenkreise 31 Euro, Diakonie einschl. Kindertagsstätten 6 Euro, Baupflege 6 Euro, Gesamtkirchliche Aufwendungen einschl. Mission, Kirchenmusik, Religionsunterricht, Evangelische Schulen und Bildung 13 Euro, zentrale Verwaltung 5 Euro und allgemeine Finanzwirtschaft einschl. Versicherungen und IT 7 Euro aus.

Wer entscheidet über die Verwendung der kirchlichen Finanzen?

Die Landessynode hat die Hoheit über die landeskirchlichen Finanzen und beschließt den Haushalt. Im Kirchenkreis ist dafür der Kirchenkreistag, in der Gemeinde der Kirchenvorstand zuständig.

 „Die Landessynode stellt für ein Jahr oder für mehrere Jahre (Haushaltszeitraum) aufgrund eines vom Landeskirchenamt nach Beratung mit dem Landessynodalausschuss aufgestellten Entwurfes und des vom Kirchensenat aufgestellten Stellenplanes für die landeskirchliche Verwaltung den Haushaltsplan fest und beschließt über Art und Höhe der zu seiner Deckung zu erhebenden Kirchensteuern, Umlagen oder sonstigen Abgaben.“ (Art. 76 Kirchenverfassung)

„Der Kirchenkreisvorstand stellt über alle zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben des Kirchenkreises einen Haushaltsplan auf. Die Ausgaben sind mit den Einnahmen auszugleichen. Der von dem Kirchenkreistag beschlossene Haushaltsplan ist mindestens eine Woche zur Einsicht für die Kirchenglieder auszulegen.“ (§ 49 Kirchenkreisordnung).

„Der Kirchenvorstand stellt über alle zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben der Kirchengemeinde einen Haushaltsplan fest. Die Ausgaben sind mit den Einnahmen auszugleichen. Der beschlossene Haushaltsplan ist mindestens eine Woche zur Einsicht für die Glieder der Kirchengemeinde auszulegen; zur Einsichtnahme ist aufzufordern.“ (§ 60 Kirchengemeindeordnung)“

Rechtstexte: http://www.kirchenrecht-evlka.de/welcome

Wer bekommt Informationen über die kirchlichen Finanzen?

Eine allgemeine und öffentlich zugängliche Übersicht über die Finanzen der Landeskirche bietet der jährlich erscheinende „Redaktionsservice“, im Internet zu finden unter http://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/pressemitteilungen. Darin sind alle wichtigen Zahlen, Daten und Fakten zur Landeskirche aktuell zusammengestellt, auch  eine kurze Übersicht über den Haushalt mit Erträgen und Aufwendungen.

Kirchengemeinden und Kirchenkreise legen ihre Haushalte öffentlich aus. Termin und Ort werden in den Abkündigungen im Gottesdienst bekannt gegeben.

Wer prüft die kirchlichen Finanzen?

Jahresabschlüsse von Kirchengemeinden und Kirchenkreisen werden vom landeskirchlichen Rechnungsprüfungsamt geprüft und sind wie die Haushalte öffentlich einsehbar. Die Landeskirche wird vom Oberrechnungsamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) überprüft.

Wie verteilt die Kirche ihr Geld?

Die Landeskirche verteilt die Mittel auf die Kirchenkreise. Im Finanzausgleichsgesetz sind die Verteilungsfaktoren geregelt. Danach werden 70 % der Mittel nach der Zahl der Kirchenmitglieder, 20 % nach der Zahl der Kirchen- und Kapellengemeinden und 10 % unter besonderer Berücksichtigung regionaler Lebensverhältnisse verteilt. Diese Gesamtzuweisung an die Kirchenkreise wird für einen vierjährigen Planungszeitraum berechnet und gibt dem Kirchenkreis so eine verlässliche Planungssicherheit.

Der Kirchenkreis entwickelt eine Finanzplanung, aus der deutlich wird, wie er seine Aufgaben für den Planungszeitraum erfüllen wird. Die Finanzplanung umfasst inhaltliche Konzepte zu den unterschiedlichen kirchlichen Handlungsfeldern (z.B. Verkündigung, Gottesdienst und Seelsorge, Kirchenmusik, Bildungs- und Jugendarbeit und Diakonie) und ordnet diesen die angemessen Finanzmittel zu.

Wie bekommt die Gemeinde ihr Geld?

Die Kirchengemeinden erhalten vom Kirchenkreis aus den landeskirchlichen

Mitteln eine Grundzuweisung für die gemeindliche Arbeit. Die

Zuweisungsschlüssel sind in der Finanzsatzung des Kirchenkreises geregelt. Hierbei

können auch besondere gemeindliche Verhältnisse berücksichtigt werden.

Für viele Kirchengemeinden ist die Grundzuweisung des Kirchenkreises mittlerweile

nur ein Finanzstandbein. Sie haben zusätzliche Einnahmequellen erschlossen. So

finanzieren viele Kirchengemeinden durch Spenden oder ein professionelles

Fundraising zusätzliches Personal für die Jugendarbeit oder Veranstaltungen

für die Kirchenmusik.

Diesem Ziel dienen auch rd. 300 neue kirchliche Stiftungen, mit denen die

Kirchengemeinden in den letzten 10 Jahren rd. 34 Mio. Euro landeskirchenweit

eingeworben haben. Die Landeskirche hat die Neugründungen zusätzlich mit 9,5

Mio. Euro gefördert. Viele Kirchengemeinden haben damit nicht nur ein neues

Finanzierungsinstrument entdeckt; schon jetzt lassen sich die Finanzsorgen durch

die Stiftungserträge für Gemeindearbeit etwas abmildern.

Weitere Informationen zum Thema Kirche und Geld bietet die Seite der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) www.kirchenfinanzen.de  


Die Kirchensteuer als Zuschlag zur Kapitalertragsteuer / keine neue Kirchensteuer !

Seit 2009 wird die auf einen Steuersatz von 25% begrenzte Kapitalertragsteuer sowie auf Antrag die darauf entfallende Kirchensteuer direkt an der Quelle ihrer Entstehung erhoben, also in der Regel bei den Banken, und an die Finanzbehörden abgeführt. Soweit dieser Antrag nicht gestellt wurde, werden die Kapitalerträge zur Festsetzung der Kirchensteuer im Rahmen der individuellen Einkommensteuererklärung angegeben. Falls der persönliche Steuersatz unter 25% liegt, besteht die Möglichkeit, die zuviel einbehaltenen Steuern über den Weg der Einkommensteuererklärung erstattet zu bekommen (Günstigerprüfung); das bleibt auch in Zukunft so.

Die bisherige Steuerfreistellung von Kapitalerträgen bleibt beibehalten (801,00 Euro für Alleinstehende bzw. 1.602,00 Euro für Ehegatten).

Was ändert sich ab 2015?

Ab 1. Januar 2015 wird dieses Verfahren in der Weise vereinfacht und automatisiert, dass für den Kirchensteuerabzug kein gesonderter Antrag mehr erforderlich ist. Auf jeden Fall ist es wichtig zu wissen: Es geht dabei weder um eine neue Steuer, noch um eine Steuererhöhung, sondern nur um eine neue, vereinfachte Form der Erhebung.

Wie funktioniert das praktisch?

Künftig erhält die Bank vom Bundeszentralamt für Steuern das für die Erhebung notwendige Religionsmerkmal nur auf elektronischem Wege verschlüsselt mitgeteilt.

Unter Beachtung der hohen Anforderungen des Datenschutzes wird den Banken für jeden Kunden, der einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft angehört, eine sechsstellige Kennziffer geliefert. Dieses Verfahren ist vergleichbar mit dem Ausweis der Religionszugehörigkeit auf der alten Lohnsteuerkarte bzw. den vom Arbeitgeber elektronisch abrufbaren Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELSTAM).

Der Datenschutz ist gewährleistet

 Mit der Kennziffer können die Banken die einbehaltene Kirchensteuer an die jeweilige evangelische Landeskirche weiterleiten, der der Kunde angehört. Die Verarbeitung des Religionsmerkmals erfolgt in einer gesicherten Umgebung, d.h. für den Mitarbeiter der Bank ist die Religionszugehörigkeit des Kunden nicht einsehbar, es wird nicht in seinen Kundenstammdaten ausgewiesen.

Wenn der Bankkunde dennoch wünscht, dass sein Religionsmerkmal als Kennziffer den zum Steuerabzug verpflichteten Geldinstituten nicht mitgeteilt wird, kann er der Weitergabe ausdrücklich widersprechen und einen Sperrvermerk setzen lassen. Dafür wird es künftig ein amtliches Formular beim Bundeszentralamt für Steuern (www.bzst.de) geben. Die Bank erhält dann den neutralen 0-Wert und behält keine Kirchensteuer ein. Das zuständige Finanzamt erhält hiervon Mitteilung. Das Kirchenmitglied ist dann verpflichtet, im Rahmen der Steuererklärung im Folgejahr gegenüber dem Finanzamt die für die Berechnung der Kirchensteuer notwendigen und vollständigen Angaben zu machen.